Klassische Dressur, und jede Menge neue Erfahrungen
Wie aus einem sechsmonatigen Praktikum ein ganzes Jahr wurde und was Príncipe und ich auf der Quinta do Palhão gelernt haben.
Manchmal muss man einfach etwas machen, das man schon lange vorhat. Für mich war das eine Auszeit in Portugal, um mich intensiv mit der klassischen Dressur zu beschäftigen. Gemeinsam mit meinem Príncipe ging es auf die Quinta do Palhão, wo ich ein ganzes Jahr lang von Gonçalo Linhas und Laura Gosch lernen durfte.
Ein Jahr voller Pferde, neuer Erfahrungen, Stallarbeit, körperlicher Anstrengung und portugiesischer Sommerhitze. Nicht immer einfach, aber eine Entscheidung, die ich jederzeit wieder treffen würde.

Lernen auf der Quinta do Palhão
Ich durfte von Gonçalo Linhas und Laura Gosch lernen und mit ganz unterschiedliche Pferden arbeiten.
Gerade das tägliche Training war für mich unglaublich wertvoll. Nicht nur, weil ich neue Lektionen lernen und meine eigene Reiterei verbessern konnte, sondern weil ich angefangen habe, viele Zusammenhänge in der Ausbildung noch einmal anders zu betrachten.
Warum fällt einem Pferd eine bestimmte Lektion schwer? Welche körperlichen Voraussetzungen fehlen vielleicht noch? Und wie kann ich durch gezielte Gymnastizierung daran arbeiten, statt einfach immer wieder dieselbe Übung zu verlangen?
Dabei wurde mir noch deutlicher, wie eng die Grundlagen mit den höheren Lektionen zusammenhängen.Versammlung entsteht schließlich nicht dadurch, dass man einfach eine bestimmte Lektion reitet. Sie entwickelt sich durch systematische Arbeit an Balance, Beweglichkeit, Tragkraft und Durchlässigkeit.


Vom Erfühlen zum selbstständigen Erarbeiten

Eine der wertvollsten Erfahrungen war für mich, höhere Lektionen auf gut ausgebildeten Pferden reiten und wirklich erfühlen zu können. Wie fühlt sich eine Piaffe und Passage an? Wie entwickelt sich Versammlung? Und welche Hilfen braucht es, um ein Pferd dorthin zu begleiten?
Ich wollte nicht nur lernen, Lektionen zu reiten, sondern vor allem verstehen, wie man sie einem Pferd beibringt.
Mit Príncipe konnte ich dieses Wissen anschließend direkt in die Praxis umsetzen. Gemeinsam haben wir an der Piaffe, Passage, spanischer Schritt, den fliegenden Wechseln und der Galopppirouette gearbeitet. Besonders spannend war dabei, seine Entwicklung Schritt für Schritt zu erleben und zu spüren, wie sich Balance, Tragkraft und Bewegungsqualität verändern.
Golegã: Ein Traum wird wahr

Ein ganz besonderes Highlight war für mich die Teilnahme an der Feira Nacional do Cavalo in Golegã. Schon lange hatte ich davon geträumt, einmal mit meinem eigenen Pferd dort zu reiten.
Mit Príncipe tatsächlich Teil dieses außergewöhnlichen Pferdefestes zu sein und die besondere Atmosphäre mitten im Geschehen zu erleben, war ein Moment, den ich sicherlich nie vergessen werde.
Was von einem Jahr Portugal bleibt

Neben den vielen reiterlichen Erfahrungen sind es vor allem die Menschen, die gemeinsamen Erlebnisse und die Einblicke in die portugiesische Pferdekultur, die dieses Jahr für mich so besonders gemacht haben.
Und vielleicht war es genau diese intensive Zeit, die mir den letzten Anstoß gegeben hat, mein Wissen und meine Erfahrungen wieder im Reitunterricht weiterzugeben. Damit hat Portugal auch meinen Weg zurück in die Arbeit als Reitlehrerin geebnet.